28.2.2021

Mit Beginn der Corona-Pandemie haben sich die meisten europäischen Regierungen für Lockdowns und damit für eine degenerative Problemlösung entschieden, da die dadurch entstehenden Nebenprobleme in Summe größer sind als das angeblich gelöste Problem.

So befinden wir uns in der größten Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Einkommensverluste und Arbeitslosenzahlen sind dramatisch. Zudem stehen zu erwartende Marktaustritte durch die kommende Insolvenzwelle erst noch bevor. Durch die Schulschließungen sind bereits jetzt Bildungsdefizite sichtbar, die sich auch langfristig negativ auf individueller wie gesamtgesellschaftlicher Ebene auswirken dürften. Und durch unverhältnismäßige Grundrechtseingriffe und die dauerhafte Nichteinbeziehung der Parlamente können irreparable Schäden an der Demokratie entstehen.

Man kann auch nicht behaupten, dass trotz allem Lockdowns die Gesundheit fördern würden, denn Phänomene wie Bewegungsmangel, schlechte Ernährung oder psychische Probleme treten bereits jetzt deutlich hervor. Ja, es ist nicht einmal klar, ob Lockdowns überhaupt die Krankheit bekämpfen können.

Betrachten wir einmal die kumulierten Todeszahlen seit Beginn der Pandemie pro 1 Mio. Einwohner. Während Schweden Anfang August 2020 noch 7 bzw. 5 mal mehr Todesopfer als Österreich bzw. Deutschland verzeichnete, so sind es Ende Februar 2021 nur noch 1,3 bzw. 1,5 mal so viel (Quelle: ourworldindata.org). Mit anderen Worten: Schweden verbessert seine Bilanz auch ohne generellen Lockdown, während Österreich und Deutschland schlechter dastehen. Das dürfte eigentlich gar nicht sein, wenn Lockdowns wirklich die Pandemiedynamik eindämmen würden.

Vermutlich liegt dies daran, dass Ansteckungen vor allem im privaten Bereich weiterlaufen, wobei Wohnungen (genau wie Alters- und Pflegeheime) im Unterschied zu Betrieben ja nicht vollkommen geschlossen werden können. Eine kürzlich veröffentlichte Studie, an der auch der Chefepidemiologe der WHO John Ioannidis mitgearbeitet hat, zeigt, dass es keine signifikanten Effekte auf das Wachstum der Infektionsfallzahlen gibt. Länder wie Schweden und Südkorea sind ohne Lockdowns ausgekommen und die Pandemie verläuft dort auch nicht dramatisch. Im Gegenteil, Südkorea hat schon sehr früh auf die Kontaktnachverfolgung mittels digitaler Apps gesetzt und weist im Vergleich mit Österreich nur ein Dreißigstel der kumulierten Todeszahlen auf. Zumindest im Sommer wäre Zeit gewesen, an solchen Lösungen zu arbeiten. Während die Lockdown-Ideologie davon ausgeht, dass Gesundheit und Wirtschaft unvereinbar seien, müsste eine optimale Strategie bestehende Zielkonflikte minimieren, um die Einseitigkeit der derzeitigen Corona-Politik zu überwinden.

Dabei ist vor allem ein empirisches Faktum entscheidend: Junge, gesunde Menschen, von denen, die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft abhängt, sind viel weniger von schweren Verläufen und Todesfällen betroffen als Angehörige von Risikogruppen. Genau aus diesem Grund sind zielgenauere Maßnahmen eine bessere Alternative zu flächendeckenden Lockdowns. Dies gilt umso mehr, als Impfungen nur einen Teil einer Lösung sein können, da eine Ausrottung von Infektionskrankheiten bisher nur ein einziges Mal (nämlich bei den Pocken) gelungen ist und durch laufend stattfinde Mutationen des Covid19-Virus eher unwahrscheinlich ist.

  • Die Regierungen sollten daher in der jetzigen Situation, Vertreter anderer Disziplinen (Ökonomen, Soziologen, Psychologen etc.) miteinbeziehen und transparent unter Einbeziehung des Parlaments kommunizieren.
  • Zweitens sollten Impfprogramme unter Beibehaltung der Freiwilligkeit konsequent nur auf die Risikogruppen ausgerichtet werden und gleichzeitig die Entwicklung eines Medikaments zur besseren Behandlung vorangetrieben werden.
  • Drittens sollte ein Pandemiekonzept entwickelt werden, das festlegt, wie im Falle einer Pandemie vorzugehen ist, damit es nicht wieder zu einem derartig erratischen Krisenmanagement kommt. Dieses Konzept hätte zu Beginn der Krise schon längst existieren sollen. Denn das größte Problem unserer Zeit besteht darin, dass die Regierungen nicht vorausschauend handeln und nicht an umfassenden Problemlösungen interessiert sind.